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BBS Aktuell

Einstieg von Müttern mit Migrationshintergrund in Arbeit und Ausbildung“ (EMMA²)
28.07.2016

Ingrid Arndt-Brauer im Gespräch mit Teilnehmerinnen

Ahaus. „Ein ganzes Stück des Weges in unsere berufliche Zukunft sind wir schon gegangen, einige Hürden haben wir dabei bereits genommen. Etliche Steine gilt es allerdings noch aus dem Weg zu räumen“, zogen Monika R. und Aysel Y. beim Besuch der SPD-Bundestagsabgeordneten Ingrid Arndt-Brauer jetzt ein erstes Fazit ihrer Teilnahme an der Maßnahme „Einstieg von Müttern mit Migrationshintergrund in Arbeit und Ausbildung“ (EMMA²).

Kurz nach dem Kursstart im vergangenen Oktober hatte sich Arndt-Brauer zum ersten Mal mit den Frauen in der BBS getroffen, um sich nach ihren Beweggründen für die Teilnahme, aber auch nach ihren Wünschen und Zielen zu erkundigen. „Jetzt interessiert mich natürlich, welche Perspektiven Sie in den letzten Monaten erarbeitet und gefunden haben“, so die Politikerin.

EMM(A)² ist Bestandteil des bundesweiten Projektes „Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein“ und wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie den Europäischen Sozialfonds für Deutschland. Eingebunden in das Programm sind neben der BBS auch das Caritas-Bildungswerk, der Caritas-Verband Ahaus-Vreden, die Jobcenter der Kreise Borken und Coesfeld sowie die Arbeitsagentur Coesfeld. Die Maßnahme richtet sich an Frauen, die selbst (oder deren Eltern) aus einem anderen Land stammen und dauerhaft in Deutschland leben wollen. An Frauen, die Kinder versorgen – die aber dennoch arbeiten und eigenes Geld verdienen möchten.

Aysel Y. hatte in der Türkei ein Zahnmedizin-Studium begonnen, das sie in Deutschland gerne fortgesetzt hätte. Allerdings scheiterten diese Pläne an den sprachlichen Voraussetzungen: „Für mich hat sich durch die intensive Beratung und Begleitung in diesem Kurs jetzt ein neuer Weg geöffnet, ich würde gerne eine schulische Ausbildung zur Pharmazeutisch Technischen Assistentin starten. Ein zweiwöchiges Praktikum in einer Apotheke hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe dabei gemerkt: Das ist genau das richtige für mich.“ Die zweijährige schulische Ausbildung könnte sie mittlerweile sprachlich und inhaltlich meistern, ist sich Aysel Y. sicher. Allein: Sie wäre dazu auf finanzielle Unterstützung - in diesem Falle BAföG-Leistungen - angewiesen. Die jedoch, so Aysel Y., wurden abgelehnt. Auch das Jobcenter sah keine Möglichkeit, ihr den Lebensunterhalt für die Zeit der Ausbildung weiter zu finanzieren „Das hat mich sehr entsetzt. Ich möchte arbeiten, mein eigenes Geld verdienen. Ich bin doch eine eigenständige Persönlichkeit, ich möchte nicht von meinem Mann oder dem Jobcenter abhängen. Und eine gut bezahlte Stelle bekomme ich nur mit einer entsprechenden Ausbildung.“

Ulrike Broscheit, Projektkoordinatorin bei der BBS, wies darauf hin: „Dieses Beispiel ist leider kein Einzelfall.“ Es gebe wohl speziell bei den typischen Frauenberufen einige Hindernisse. Die meisten dieser Berufe setzen eine schulische Ausbildung voraus - die wiederum ist nicht immer förderfähig. Bezieher von SGBII-Leistungen, beispielsweise, haben in diesem Fall keinen Anspruch auf eine Weiterzahlung des Geldes. Hier, so betonte Ingrid Arndt-Brauer, wolle sie gerne nachprüfen, ob da nicht Besserungen möglich seien.

Auch für Monika R. ist die Umsetzung ihrer beruflichen Ziele noch nicht ganz geklärt: „Wir hatten in der Maßnahme Zeit, um uns zu orientieren und zu informieren. Wir konnten uns ausprobieren und auf viele Sachen vorbereiten. Das war wirklich richtig gut.“ Monika R. befindet sich zurzeit noch im Praktikum. Eine Arbeitsstelle als Sozialversicherungsfachangestellte ist ihr Ziel - dies hat sie bereits in ihrem Herkunftsland gelernt. „Ich weiß, dass das deutsche System ein anderes ist. Ich würde den Beruf hier auch noch einmal drei Jahre lang lernen. Ich hoffe, ich bekomme die Chance dazu.“ Wichtig wäre für sie dazu ein zusätzlicher intensiver Deutschkurs. „Ich verstehe den Inhalt der Gesetze, aber es fällt mir schwer, das auch in der deutschen Verwaltungssprache auszudrücken. Die meisten meiner bisherigen Deutschkurse habe ich selbst finanziert. Nun hatte ich beim Jobcenter einen Antrag auf Kostenübernahme gestellt. Der wurde abgelehnt. Das kann ich nicht verstehen.“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass „die Sozialgesetzgebung allgemein gültig und nicht etwa speziell auf Frauen oder Männer mit Migrationshintergrund zugeschnitten ist. Grenzen müssen wir nun mal setzen. Und Grenzen tun immer weh.“ Dennoch versprach die Politikerin, sich  mit Blick auf diese beiden Einzelfälle gezielt zu eventuellen Fördermöglichkeiten zu informieren. Kathrin Rick, Beraterin im EMM(A)2-Projekt, gab sich in diesem Zusammenhang zuversichtlich: „Wir sind ja kreativ - und finden mitunter noch so manches Schlupfloch.“


Zwei Angebote
EMM(A)² besteht aus zwei Angeboten: Zum einen aus einem reinen Beratungsangebot, bei dem ein Einstieg jederzeit möglich ist, zum anderen aus einem modularen Kursangebot. Neuer Start des Kurses ist im Oktober 2016.
Ansprechpartnerin für weitere Informationen zu EMM(A)² ist bei der BBS Kathrin Rick, Tel. 02561 / 699-448.

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