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BBS Aktuell

Förderung beruflicher Weiterbildung
18.07.2014

Friedhofslotsen im Einsatz

Karl-Heinz Florin und seine Kollegen Ewald Gebing und Gesa Kunert sind seit Mai des Jahres als Friedhofslotsen im Einsatz. Das gemeinnützige Beschäftigungsprojekt wird getragen von der Stadt Ahaus und der Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS). Im April 2013 wurde es auf dem Friedhof an der Straße Zum Rotering installiert. Seitdem geht das Trio täglich zwischen 10 und 16 Uhr Friedhofsbesucherinnen und -besuchern zur Hand und sorgt auch dafür, dass diese sich sicher fühlen.

Die Sonne blinzelt verschämt hinter den Wolken hervor. Die Menschen, die an diesem Morgen über die Wege des Ahauser Friedhofs spazieren, werfen immer wieder mal einen Blick gen Himmel. So, als würden sie dem trockenen Wetter noch nicht ganz trauen. Nach dem Dauerregen der letzten Tage haben sich viele - besonders ältere - Bürger aufgemacht, um an den Grabstellen ihrer Angehörigen nach dem Rechten zu sehen. Hier wird ein wenig Unkraut gezupft, dort eine Wasserlache aus der Schale gekippt. Eine ältere Dame stützt sich auf ihren Rollator, verweilt gedankenverloren vor einer der Ruhestätten.

Karl-Heinz Florin, bekleidet mit dunkelblauer Uniformjacke, tritt auf die Frau zu: „Brauchen Sie Hilfe?“, spricht der 57-Jährige die Seniorin freundlich an. „Ich bin Friedhofslotse hier und würde Ihnen gerne zur Hand gehen.“ Aber die Frau winkt ab: „Solange ich es noch kann, mache ich alles alleine.“ Florin nickt ihr zu: „Gut, aber unser Hilfsangebot ist kostenlos. Wenn Sie möchten, dürfen Sie uns gerne ansprechen.“

So wie in diesem Fall reagieren ältere Menschen häufiger, bestätigen Karl-Heinz Florin sowie seine Kollegen Ewald Gebing (57) und Gesa Kunert (48). Die drei sind seit Mai des Jahres als Friedhofslotsen im Einsatz. Das gemeinnützige Beschäftigungsprojekt wird getragen von der Stadt Ahaus und der Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS). Im April 2013 wurde es auf dem Friedhof an der Straße Zum Rotering installiert. Die ersten drei Lotsen waren bis zum Spätherbst 2013 im Einsatz, Florin, Gebing und Kunert sind das zweite Team.

Täglich zwischen 10 und 16 Uhr ist das Trio vor Ort. Anlaufstelle für die Lotsen sowie die Bürger, die deren Dienste in Anspruch nehmen wollen, ist ein Bauwagen, der leider ein wenig versteckt inmitten hoher Büsche auf dem Friedhofsparkplatz abgestellt ist. „Einen besser geeigneten Ort müssen wir noch finden“, sind sich die Lotsen wie auch Thomas Wittenbrink, zuständiger Mitarbeiter der BBS, einig. „An diese Stelle verirrt sich nur selten jemand“, bestätigt Florin. Er und seine Kollegen werfen sich deshalb gleich am Morgen die Jacken über und „schwärmen“ aus.

Besonders älteren Menschen kleine Handlangerarbeiten abnehmen, ihnen die Gießkanne von der Wasserstelle zum Grab tragen, mal einen Sack Torf oder Blumenerde schultern – das sind die vordringlichsten Aufgaben der Friedhofslotsen. Pflanzarbeiten dürfen sie dagegen nicht erledigen: „Sie sollen den Gartenbetrieben natürlich nicht die Arbeit wegnehmen“, betont Wittenbrink.

Aber auch dem Sicherheitsfaktor wollen die uniformierten Lotsen Rechnung tragen. Besonders im Herbst, wenn es früher dunkel wird, ist es für viele Bürger angenehm zu wissen, dass dort noch Menschen sind, die ein Auge auf sie haben. Möglicher Vandalismus soll durch die Präsenz zudem verhindert werden.

Ein Auge haben die drei Lotsen ebenfalls auf so manchen Hundebesitzer, der seinen Vierbeiner frei über die Grabstätten laufen lässt. „Das ist hier mitunter ein Problem“, sagt Karl-Heinz Florin. „Viele Tierhalter sind dann nicht sehr freundlich, wenn wir sie bitten, ihr Tier anzuleinen. Einige ignorieren uns, andere werden auch schon mal böse.“ Florin, Gebing und Kunert versuchen es in diesen Fällen mit Argumenten. Helfen gute Worte gar nicht weiter, können sie den Vorgang per Diensthandy der Stadtverwaltung melden. Eingreifen oder einschreiten dürfen die Friedhofslotsen nicht.

An diesem Morgen allerdings scheinen die Hundehalter alle genau zu wissen, was sich gehört. Einige gucken neugierig den Lotsen bei ihrem Gang über den Friedhof hinterher. Das Trio indes steuert auf einen Mann zu, der sich an einer Grabstätte mit einem Sack Pflanzerde abmüht. Freundlich wird wieder Hilfestellung angeboten. Diesmal mit Erfolg.

Der Bauwagen, die Anlaufstelle der Friedhofslotsen Ewald Gebbing, Gesa Kunert und Karl-Heinz Florin (v.li.), steht noch ein wenig versteckt auf dem Parkplatz des Ahauser Friedhofes.

 

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