BOZ installiert Kunstwerk am Berliner Platz in Bocholt

Schon in der Vergangenheit haben Teilnehmende der Berufsvorbereitung (BvB) sowie Malerauszubildende des Berufsorientierungszentrums (BOZ) der BBS in Bocholt durch großformatige Kreativ-Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Etwa mit der Gestaltung des Bauzaunes am Neubau der Sparkasse in 2018, oder mit dem „Rüsselsprung“ unter dem Motto „Kunst trifft Handwerk“ in 2019. In diesem Jahr widmet sich BOZ-Ausbilderin Renate Schmiechen mit sechs Auszubildenden aus dem Gewerk Farbe den „kleinen Dingen“. Wobei die Maße des aktuellen Kunstwerkes mit 3,75 x 2,00 Metern sicherlich alles andere als klein sind.

„Die kleinen Dinge werden in Dir erst dann groß, wenn Du eine Empfindung groß werden lässt und Du ihr Raum gibst, bedeutend zu sein.“ Unter dieser Prämisse ist seit Januar ein Projekt von jungen Menschen entstanden, die ihren Weg in die Arbeitswelt beim ersten Anlauf nicht sofort gefunden haben. So unter anderem für jene, die ihre Ausbildung mit besonderem Förderbedarf am Berufsorientierungszentrum in Bocholt absolvieren, umreißt Renate Schmiechen den pädagogischen Hintergrund der aktuellen Arbeit. „Hier in den Werkstätten der Berufsbildungsstätte Bocholt haben wir die Möglichkeit, mit den Teilnehmenden ihre Schlüsselkompetenzen zu ergründen. Sie erhalten bei uns die Chance, dann genau diese Schlüsselkompetenzen einzusetzen. Jeder Mensch kann irgendetwas besonders gut. Aber vor allem kann er sich dann mit der Empfindung, etwas zu können, identifizieren. Über diese Empfindung kann der Mensch ein Gefühl in sich entwickeln und stolz auf sich sein.“ Genau diese Empfindungen sind nun bildnerisch umgesetzt worden.

Um die Bildaussage zu verstehen, zunächst ein kleiner Exkurs in die Thematik: Eine Empfindung löst in unserem Körper über eine seelische Regung bestimmte Gemütsbewegungen aus. Diese Gemütsbewegungen ermöglichen es uns, selbst in kürzester Zeit eine Empfindung zu entwickeln. Es gibt fünf natürliche Empfindungen (Zwänge), die uns an unser Leben binden - ob wir es wollen, oder nicht. Jeder bestimmt selbst, wie groß er sie werden lässt und ob und wie bedeutend sie für ihn oder sie ist.

Neben Mensch und Tier, Natur und Umwelt, gibt es auch Kreaturen - wie zum Beispiel den Void Wurm (links auf dem Bild zu sehen) aus dem Spiel „Rain World“ -, die einem begegnen und eine Empfindung hervorrufen. Der Void Wurm ist eine Kreatur, die es gut mit Dir meint. Er nimmt dich in dem Spiel mit in die Leere, damit Du Dir von dort aus einen Überblick verschaffen kannst, wo Du stehen möchtest im Leben. Wie oft fühlen wir uns Menschen „leer“ und nicht verstanden? Dann liegt es an Dir, Dir selbst zu begegnen, um Dich langsam wieder aufzustellen und wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen.

Weitere Kreaturen sind Elfen und Feen (in der Mitte auf dem Kunstwerk zu sehen), die das Gute bringen, die aber auch Böses bewirken können. Sie sind kleine mystische Wesen und verkörpern die Elemente Luft und Wind. Oft geben sie uns allein durch einen Gedanken an sie ein gutes Gefühl - wenn wir zulassen, dass sie in diesem Moment in uns eine Illusion (Empfindung) bedienen und dadurch unsere Gedanken positiv beeinflussen und uns dann stärken, ein Ziel zu erreichen.

Zu unserem Dasein gehört außerdem die Natur (in der Mitte des Kunstwerkes dargestellt). Die Natur ist für den Menschen - wie für jedes andere Lebewesen - Lebensgrundlage und Ressource zugleich. Wir sind ihr und ihren Kräften ausgesetzt, gleichzeitig formt sie unsere Sinne und wir formen sie in unserem Sinne. Die Natur ermöglicht Beruhigung, die es zulässt, sich und den eigenen Körper mit Freundlichkeit, Nachsicht und Fürsorge zu betrachten.

Und schließlich gibt es noch den kritischen Owen (rechts im Bild). Ja, kritisch sein! Leben nach präzisen Maßstäben, gewissenhaft, streng prüfend und wachsam. Den Blick auf das Außen und den Blick auf sich und seine Empfindungen gerichtet. Da wünscht man sich manchmal eine Leere im Kopf, da es durch die entstehenden Gefühle und die daraus resultierenden Empfindungen schon fast weh tut, dass sie so bedeutend sind.

„Wenn sich die Betrachtenden auf das Bild einlassen, kann es für sie durchaus zu einer spannenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich kommen“, sind Renate Schmiechen und das Künstlerteam überzeugt.

Das Kunstwerk – mit speziellen Farben auf Bausperrholzplatten gestaltet - ist von der Idee bis zur Realisierung ein Eigenentwurf. Die Motive wurden von Hand vorgezeichnet, auf Folie gedruckt, mit dem Overheadprojektor vergrößert, auf die Platten übertragen und farbig bearbeitet. Das Ergebnis seit Freitag, 28. Juni, am Berliner Platz in Bocholt (Bauzaun des Rathauses) installiert.