Claudia Klinker: Abschied in den Ruhestand

Es gab weder eine Blaupause, an der sie sich orientieren konnte, noch Fußstapfen, in die sie hätte treten können: Claudia Klinker war in vielen Bereichen eine Pionierin. Nach mehr als 40 Jahren beruflicher Tätigkeit verabschiedet sie sich nun in den Ruhestand und hinterlässt bei der Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS) deutliche Spuren.
Geboren am 1. Januar 1960 in Bielefeld, absolvierte Claudia Klinker nach ihrem Abitur ein Lehramtsstudium in den Fächern Mathematik und Textilgestaltung, das sie mit dem ersten und zweiten Staatsexamen abschloss. Ihre berufliche Laufbahn begann sie anschließend bei der Gemeinde Rosendahl, wo sie zwei Jahre in der offenen Jugendarbeit sowie in der Wirtschaftsförderung tätig war – damals noch als einzige Frau in diesem Bereich.
Am 1. März 1985 wechselte sie dann zur BBS nach Ahaus. Dort startete sie als Lehrerin im Berufsorientierungszentrum für Auszubildende im Bereich Damenschneiderei. Im weiteren Verlauf war sie auch in der Übungswerkstatt Holz und Elektro tätig und engagierte sich in der Weiterqualifizierung von Arbeitssuchenden. Die BBS, 1977 gegründet, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits als regionales Markenzeichen etabliert, das berufliche Perspektiven für Menschen und Unternehmen entwickelte.
In diesem Umfeld leistete Claudia Klinker insbesondere in der Frauenförderung Pionierarbeit. Sie entwickelte neue Maßnahmen und baute entsprechende Strukturen auf. Anfang der 1990er Jahre übernahm sie die Abteilungsleitung für Frauenmaßnahmen. Dabei ging ihr Engagement weit über diesen Bereich hinaus. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzte sie im eigenen Haus ganz praktisch mit der Mitinitiierung von Kita-Gründungen in Ahaus und Gronau um. Zudem brachte sie dazu einen der ersten großen Projektanträge für das Globalzuschussprogramm auf den Weg. Auch die Konzeptentwicklung der Regionalstelle „Frau und Wirtschaft“, die Entwicklung kaufmännischer Maßnahmen sowie die Förderung von Frauen im regionalen Arbeitsmarkt tragen ihre Handschrift. Darüber hinaus war sie viele Jahre auf Landesebene aktiv und vertrat Nordrhein-Westfalen in der Bundesarbeitsgemeinschaft für berufliche Perspektiven für Frauen und den Bund auf der ESF-Konferenz in Birmingham. Neue Aufgaben nahm sie stets mit Mut und Entschlossenheit an; Hindernisse verstand sie als Herausforderungen, die es zu überwinden galt.
BBS-Geschäftsführer Jörg Olthues würdigt Claudia Klinkers jahrzehntelanges Engagement mit persönlichen Worten: „Danke für mehr als 40 Jahre voller Verlässlichkeit und echter Leidenschaft für die Arbeit. Unsere Zusammenarbeit war für mich stets von Vertrauen, Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägt – etwas, das nicht selbstverständlich ist und das ich sehr geschätzt habe.“ Besonders beeindruckt habe ihn „die kreative Art von Claudia Klinker, mit der sie neue Themen und Aufgabenfelder erschlossen hat. Sie hat nie stillgestanden, sondern Entwicklungen angestoßen und mit ihrer Beharrlichkeit dafür gesorgt, dass Ideen auch Wirklichkeit wurden. Ihr Blick für Möglichkeiten hat unser gemeinsames Arbeiten nachhaltig bereichert.“ Abschließend betont er: „Ich danke ihr auch für ihr Vertrauen in mich als ihren Vorgesetzten. Diese Basis hat vieles möglich gemacht. Umso mehr weiß ich: Es wird nicht leicht sein, all das ohne Claudia Klinker weiterzuführen.“