Fliesenleger-Azubis im Leistungsvergleich

Sie haben geplant, berechnet, gezeichnet und geschnitten, bevor sie dann kurz vor dem Ablauf der Zeit an der Montagewand in der Bauhalle der Berufsbildungsstätte Westmünsterland das Ergebnis zügig - aber sehr sorgfältig - mit Kleber in die richtige Form gebracht haben. Zum zweiten Mal trafen sich jetzt Auszubildende des Fliesenleger- und Natursteinhandwerks aus Westfalen zu einem internen Wettstreit. „Bereits die Premiere dieses Leistungsvergleiches in 2019 war ein großer Erfolg“, sagt Andreas Telaar, Landesfachgruppenleiter Fliesen und Naturstein in Westfalen sowie Obermeister der Fliesen-Innung Borken. „Durch die Corona-Krise mussten wir im vergangenen Jahr pausieren. Umso erfreuter sind wir nun, erneut mit elf Teilnehmenden - drei von ihnen besuchen im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung die BBS - wieder an den Start gehen können.“ Dazu hatten sich die Ausrichter ein prominentes „Zugpferd“ ihres Gewerkes zur Seite geholt: Tim Welberg, Europameister sowie Bundestrainer in diesem Bereich, begutachtete an den beiden Tagen in Ahaus die Geschicklichkeit des Nachwuchses. Mal hier, mal dort gab der 26-Jährige den angehenden Berufskollegen kleine Tipps und suchte mit ihnen das Gespräch.
Die Aufgabe, die die Auszubildenden zu bewältigen hatten, war keine leichte. „Leuchtturm, Zeichen der Heimat“ hatte BBS-Teamleiter Bau, Andreas Nollmann, das Motiv betitelt. Viele Rundungen und Kurven, Zacken und Ecken waren darin enthalten.
Muhammed Bünyamin (19), im dritten Ausbildungsjahr, nahm die Herausforderung gelassen an. „Ich wollte mal etwas Anderes ausprobieren. Etwas, das im Berufsalltag nicht so häufig vorkommt. Das finde ich hier“, plagten ihn zuvor weder Lampenfieber noch Nervosität. Ähnlich locker stellte sich auch Denise Voß dem Vergleich - was sich später mit dem ersten Platz auszahlte. Die 26-jährige Steuerfachangestellte will den väterlichen Betrieb in Stadtlohn übernehmen und macht nun deshalb noch eine Ausbildung im Fliesenleger-Handwerk. „Ich will natürlich mitreden können“, begründet sie ihr Engagement. „Und parieren können, wenn Kunden Frauen nicht als Fachkräfte anerkennen, sondern nach dem Chef rufen.“
Gemeinsam mit ihren Azubi-Kollegen/innen wird sie nach diesen zwei Tagen des Leistungswettbewerbs garantiert mit dem praktischen Beweis ihres Könnens keinerlei Probleme haben. Andreas Telaar war jedenfalls zufrieden: „Unser Konzept ‚fordern und fördern‘ ist wieder aufgegangen.“