Gemeinsam auf dem Weg zum Ziel

Viele Köche verderben nicht immer den Brei – manchmal trägt ein Zusammenspiel auch gute Früchte. Ein Beispiel dazu erzählt Ulrike Broscheit (Frauenberatung/TEP) von einer Teilnehmerin:

Ann-Katrin Vath hatte ihre Ausbildung zur Tischlerin durchlaufen, ist dann im 3. Ausbildungsjahr schwanger geworden. Sie hat die Ausbildung noch bis zur schriftlichen Prüfung absolviert, an der praktischen Prüfung konnte sie zum Ende der Schwangerschaft nicht mehr teilnehmen. Und auch das Gesellenstück nicht mehr zu Ende stellen.

Sie kannte die BBS aus der Überbetrieblichen Ausbildung, hat sich, als ihr Kind 1 Jahr alt war, an ihren alten BBS-Ausbilder Markus Volkery aus der Holzwerkstatt gewandt und gefragt, ob sie hier nicht die Ausbildung beenden könnte. Sie habe genau ein halbes Jahr Zeit, die praktische Prüfung nachzuholen und das Gesellenstück einzureichen, ohne alles noch einmal wiederholen zu müssen. Vor allem für das Gesellenstück brauche sie Anleitung und eine Werkstatt, auch für die praktische Prüfung müsse sie noch ein wenig üben. Ein Einzelfall, der nicht so richtig ins bestehende Lehrgangsmuster der BBS passte - dennoch gab man ihr die Möglichkeit, den Abschluss nachzuholen.

Recht schnell wurde klar, dass hier zunächst einige Hürden überwunden werden mussten. Welcher Lehrgang kommt in Frage? Wie kann das finanziert werden? Wer nimmt Kontakt zur Arbeitsagentur auf? So kam Ann-Katrin Vath zur Beratung ins Teilzeitausbildungsprojekt TEP. Gemeinsam bereiteten wir dann den Weg.

Um in der Werkstatt anzudocken, brauchte sie zunächst eine Kinderbetreuung. Hier hatte sie schon eine Tagesmutter im Blick. Dann brauchte sie einen Bildungsgutschein, um das Ganze finanzieren zu können - und die BBS musste die passende Bildungsmaßnahme beantragen. Einen Bildungsgutschein kann man bei der Arbeitsagentur nur beantragen, wenn man arbeitslos ist. Arbeitslos melden kann man sich als junge Mutter aber nur, wenn man einen festen Kinderbetreuungsplatz nachweisen kann und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Bis alle Einzelstellen (BBS, Arbeitsagentur, Prüfungsausschuss der Handwerkskammer, etc.) kontaktiert waren, war die Tagesmutter schon längst wieder abgesprungen. Ab August 2022 hatte Ann-Kathrin zwar für den kleinen Sohn einen Platz im Kindergarten vor Ort in Gronau, aber das war genau ein halbes Jahr zu spät. Die Hürden schienen fast zu hoch, immer wieder kam ein Stolperstein dazwischen. Aber am Ende konnte Stück für Stück dank der Unterstützung durch das TEP-Projekt jede Hürde genommen werden.

Anfang Mai konnte Ann-Katrin Vath in der Holzwerkstatt starten, sich mit Hilfe von Markus Volkery auf die praktische Prüfung vorbereiten und unter Anleitung ihr Gesellenstück anfertigen. Parallel hat sie im TEP-Projekt Bewerbungsunterlagen erstellt und sich auf die Suche nach passenden Arbeitsstellen gemacht. Der kleine Sohn Qwin konnte übrigens schon vorzeitig seinen Kindergartenplatz in Anspruch nehmen und fühlt sich hier sehr wohl. Seit Ende Juli hat Ann-Katrin Vath nun den Gesellenbrief in der Tasche und bewirbt sich weiterhin als Tischlerin. Sie überlegt, ob sie nicht vielleicht noch einen CNC-Kurs nachschiebt, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.