Mit der Pistole in der Hand

Die Pistole in der Hand ist eines seiner wichtigsten Werkzeuge. Wer das jetzt mit Wild-West assoziiert oder bei wem sich jetzt im Kopfkino irgendeine mörderische Krimiszene abspielt, der – oder die – liegt falsch. Die Pistole von Ludwig Kestermann ist statt mit Patronen mit Farbe gefüllt. Und die trägt er punktuell - mal in Strichen, mal detailliert, mal aber auch großflächig - auf die verschiedensten Untergründe auf. Ludwig Kestermann ist in seiner Freizeit ein Air-Bruch-Künstler. Und was liegt da näher, als dieses Hobby bei einem Praktikum, das er im Rahmen der InRAM-Maßnahme im Holzbereich des angegliederten Berufsorientierungszentrums absolvierte, den dortigen jugendlichen Auszubildenden praktisch vorzustellen.

Corona konform in zwei Gruppen eingeteilt, hat der 61-Jährige die jungen BOZler für jeweils einen halben Tag an seiner Liebe zum Airbrush teilnehmen lassen. Schritt für Schritt ließ er sie zunächst Hand- und Fingerübungen machen, mit Spritzpistole und Farbe experimentieren, brachte ihnen erste Feinheiten des perspektivischen Umsetzens bei – bis die Teilnehmenden sich schließlich selbst an ein Bild wagten. Individuelle Sonnenuntergänge und Spiegelungen im Wasser entstanden so unter den kreativen Händen. „Ein tolles Erlebnis, das wir gerne wiederholen würden. So etwas kommt ja nicht alle Tage vor“, fassen die 18- bis 25-jährigen Azubis ihre Begeisterung in Worte. „Nach ein paar Übungen klappte es auch sofort“, erzählt Steven (19). „Bei mir kann man den Sonnenuntergang samt einem Felsen im Wasser gut erkennen.“

Ludwig Kestermann nimmt das Lob schmunzelnd und gerne entgegen. Er freut sich, seine Erfahrungen weitergeben zu können. Für den Darfelder, der bereits in vielen Kommunen im Münsterland Kurse durchgeführt hat, ist die Freizeitaktivität ein perfekter Ausgleich zu seinem beruflichen Einsatz. Zurzeit auf dem Arbeitsmarkt auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, hat Kestermann schon Erfahrungen in der kaufmännischen Branche gesammelt, hat als Selbstständiger Häuser errichtet oder war über 20 Jahre als Lkw-Fahrer nachts im Außendienst tätig. „Gesundheitlich konnte ich dann aber die Fahrerei nicht mehr ausüben. Über die Rentenversicherung bin ich zu der InRAm-Maßnahme gekommen“, schildert er den Weg. Hier schaut er jetzt gemeinsam mit den BBS-Mitarbeitenden nach einem Lösungsansatz für einen Wiedereinstieg.

Bis dahin übernimmt Ludwig Kestermann gerne die Aufgabe, junge Menschen auch einmal mit anderen handwerklichen Tätigkeiten in Kontakt zu bringen. „In der Vergangenheit habe ich das beispielsweise über den ‚Kulturrucksack NRW‘ getan, der mich als Künstler unterstützt“, erklärt er. In diesem Zusammenhang ist auch das rund 42 Quadratmeter große Exponat entstanden, das er zusammen mit anderen Künstlern in Wattenscheid gestaltet hat. „Das sollte ursprünglich ins Guinnessbuch der Rekorde aufgenommen werden. Ob daraus etwas geworden ist, weiß ich allerdings nicht“, sagt Kestermann.

Wie nachhaltig beeindruckt der 61-Jährige die BOZ-Jugendlichen übrigens mit seiner Airbrush-Kunst hat, zeigte sich wenige Tage nach der Kurzunterweisung an der Spritzpistole: Die Kursteilnehmenden „verschönerten“ das Auto ihres BOZ-Holz-Ausbilders Markus Volkery kunterbunt mit (glücklicherweise abwaschbarer) Sprühkreide. Markus Volkery nahm diesen individuellen Gruß gelassen: „Anschließend war der Wagen wenigstens mal wieder blitzeblank sauber“, lacht er.

Ludwig Kestermanns Kunst kann man sich auch auf seiner Homepage anschauen: www.airbrush-luke.de

Wofür steht InRAM?

In der BBS-Maßnahme InRAM geht es um die Feststellung der beruflichen Situation der Teilnehmenden sowie in den anschließenden Gesprächen um die Erarbeitung eines realistischen Selbstbildes. Die konkreten beruflichen Perspektiven, die dabei am Ende als Ergebnisse stehen, werden mittels Praktika getestet und erprobt.

Mit dem InRAM-Angebot werden Menschen angesprochen, die ins Arbeitsleben zurückkehren wollen. In der Regel verfügen die Teilnehmenden über eine berufliche Grundbildung (Ausbildung und/oder mehrjährige Berufserfahrung) und bedürfen wegen einer Erkrankungen beziehungsweise einer gesundheitlichen Einschränkung besonderer Leistungen zur Unterstützung.

Ziel der Vollzeitmaßnahme (39 Wochenstunden) ist also eine individuelle, bedarfsorientierte Stabilisierung sowie eine dauerhafte Integration in den ersten Arbeitsmarkt.

Ansprechpartnerin: Eva Langer, Tel. 02561 / 699-471.