Pionierin als Teilzeitauszubildende bei Wirtschaftsförderung

„Meine Kinder freuen sich, wenn ihre Mama am Tisch sitzt und lernt. Wir können fast gemeinsam Hausaufgaben machen“, sagt Azadeh Amiratashani und lacht. Die 33-Jährige vermittelt mit ihrer offenen und freundlichen Art sofort Souveränität und Zugänglichkeit – Eigenschaften, die auch dazu beitrugen, dass sie im Sommer als erste Teilzeitauszubildende zur Kauffrau für Büromanagement bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken (WFG) eingestellt wurde.
Azadeh Amiratashani wurde im März 1992 in Teheran im Iran geboren. Nach der Grund- und Mittelschule besuchte sie den technisch-gewerblichen Zweig der Oberschule mit dem Schwerpunkt Computer-Technologie und schloss diese mit der zwölften Klasse ab, vergleichbar mit der deutschen Fachhochschulreife. Anschließend absolvierte sie ein Obermaturastudium an einer technisch-gewerblichen Fachschule und studierte von 2012 bis 2014 Computer-Software-Technologie im ingenieurwissenschaftlichen Bereich, das sie mit einem anerkannten Bachelor-Abschluss beendete. Parallel zum Studium war sie eineinhalb Jahre als Englischlehrerin für Kinder tätig. Im Jahr 2014 nahm sie eine Stelle als Verwaltungsangestellte bei der Mehr-Klinik in Teheran auf.
2017 folgte sie ihrem Mann, den sie 2015 kennengelernt und geheiratet hatte, nach Deutschland. Zunächst lebte die Familie in Köln, bevor sie 2020 mit ihren zwei Kindern nach Schöppingen im Münsterland umzog. „Nach meiner Elternzeit habe ich mich hier vor Ort auf die Suche nach einer Ausbildungsstelle gemacht“, schildert Amiratashani ihren weiteren Weg. Da ihre Deutschkenntnisse noch nicht ausreichend gefestigt waren, konnte sie leider kein Angebot finden und machte sich zunächst mit einer DHL-Filiale in Schöppingen selbstständig. Sie absolvierte einen B2-/C1-Sprachkurs und meldete sich anschließend beim Teilzeitberufsausbildungsprojekt TEP der Berufsbildungsstätte Westmünsterland in Ahaus an. „Fast ein Jahr habe ich dann gemeinsam mit Renate Großfeld vom TEP-Projekt bei der BBS nach einer Ausbildungsstelle gesucht“, erzählt Azadeh Amiratashani. Über 20 Bewerbungen schrieb sie, führte zahlreiche Vorstellungsgespräche und sammelte dabei die Erfahrung, dass insbesondere in der IT-Branche Teilzeitausbildungen schwer umzusetzen sind.
Dass sie schließlich bei der WFG überzeugen konnte, lag aus Sicht von Tanja Kolhoff, Ausbilderin und Leiterin des Bereichs Büromanagement, an mehreren Faktoren. „Zum einen bringt Azadeh Amiratashani eine hohe fachliche Qualifikation und eine sehr aufgeschlossene Persönlichkeit mit“, erklärt Kolhoff. Zum anderen passe ihr Bewerberprofil optimal zum Leistungsangebot der WFG, die mit großem Engagement ExistenzgründerInnen und Unternehmen im Kreis Borken berät - unter anderem auch in dem wichtigen Themenfeld der Fachkräftesicherung. „Sie ist unsere erste Auszubildende in Teilzeit, und wir möchten mit dieser Entscheidung bewusst ein Beispiel geben und anderen Unternehmen Perspektiven aufzeigen.“ Durch die eigene Beteiligung am TEP-Projekt könne die WFG zudem praxisnahe Erfahrungen weitergeben. Eingesetzt wird Azadeh Amiratashani für allgemeine Bürotätigkeiten, in der professionellen Veranstaltungsorganisation sowie im internen Digitalisierungsprozess. „Ich bin von ihrer Einsatzbereitschaft sehr positiv überrascht. Sie ist ein echtes Organisationstalent und überzeugt durch ihre Flexibilität im Denken und Handeln“, lobt Kolhoff.
Die Teilnahme am TEP-Projekt habe sich für beide Seiten als echte Win-win-Situation erwiesen. Auch der enge Austausch mit der BBS sei sehr wertvoll. „Gerade vor dem Hintergrund eines weiterhin herausfordernden Ausbildungsmarktes kann ich eine Teilnahme am TEP-Projekt nur empfehlen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird hier hervorragend unterstützt, und wir fungieren nach unseren guten Erfahrungen gerne als Botschafter dieses Angebots für Unternehmen im Kreis Borken“, so Tanja Kolhoff.
Seit über 15 Jahren begleitet das Teilzeitberufsausbildungsprojekt TEP Menschen auf dem Weg in eine berufliche Perspektive. Die Berufsbildungsstätte Westmünsterland gehört zu den Trägern, die das Projekt von Beginn an unter der Leitidee „Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ mitgestaltet haben. An den Standorten Ahaus und Bocholt unterstützt die BBS mit dem TEP-Programm Mütter und Väter ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die die schulischen und persönlichen Voraussetzungen für eine Ausbildung mitbringen und diese in Teilzeit absolvieren möchten. Gleichzeitig werden auch Ausbildungsbetriebe umfassend beraten.
Die Teilnehmenden werden innerhalb von sechs bis zwölf Monaten gezielt auf eine Ausbildung vorbereitet und bei der Suche nach einem Teilzeitausbildungsplatz sowie bei organisatorischen Fragen unterstützt. Dazu gehören wöchentliche Einzelcoachings, Unterstützung bei der Berufswahl, Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche sowie Beratung zu Themen wie Finanzierung des Lebensunterhalts, Kinderbetreuung und Arbeitszeitgestaltung. Nach Ausbildungsbeginn erhalten sie dann nach Bedarf zusätzlich ausbildungsbegleitende Hilfen.
Das TEP-Projekt wird in Kooperation mit den Jobcentern im Kreis Borken sowie der Agentur für Arbeit Coesfeld durchgeführt und aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen sowie des Europäischen Sozialfonds gefördert.
Ansprechpartnerin bei der Berufsbildungsstätte Westmünsterland für Teilnehmende wie auch für Arbeitgeber sind in Ahaus TEP-Koordinatorin Ulrike Broscheit, Telefon 02561 – 699440, Mail: ebenso wie Dipl.-Betriebswirtin Renate Großfeld, Telefon 02561 699-480, Mail: