Bocholt. Wozu habe ich einen Mund, wenn ich damit meine Gefühle, meine Sorgen, meine Probleme, die Wut oder meine Freude nicht mitteile? Wozu habe ich Augen, wenn ich damit die Vorgänge um mich herum und in der Welt nicht wahrnehme? Wenn Mund und Augen verschlossen bleiben? Gedanken, die sich jetzt 15 Teilnehmende der Berufsvorbereitung (BvB) sowie die Malerauszubildenden im BOZ in Bocholt gemacht haben. Und es ist nicht nur bei den Überlegungen im Kopf geblieben: die jungen Menschen haben ihre Fragen und Antworten auch berufsspezifisch umgesetzt. In bildnerischer Form.

„Hintergrund ist das Projekt Bauzaun in der Bocholter Innenstadt“, erläutert Ausbilderin Renate Schmiechen. Rund um den Neubau der Stadtsparkasse hatte ein Künstler Flächen vergeben, die Gruppen, Privatpersonen und Institutionen kreativ gestalten können. „Dort haben wir uns beworben und einen Zuschlag erhalten“, freut sich Renate Schmiechen. Das etwa 3,60 x 2,50 Meter große Ergebnis wurde jetzt in Form eines kleinen Events gemeinsam an der Kreuzstraße installiert.

Den Vorbeigehenden fällt als erstes ein großes, rundes Loch in einer vermeintlichen Steinwand ins Auge, das den Blick auf eine scheinbar unendliche Weite freigibt: Meer und Horizont, vorneweg noch ein schmaler Strandstreifen – und sogar echter Sand wurde vor dem Zaun aufgeschüttet – vermitteln eine Illusion von Tiefe und Weite. Um das Loch herum drapiert sind Abbildungen eines Mundes und zahlreicher Augen in verschiedenen Farben, Formen und Schattierungen. So unterschiedlich, wie sie auch im menschlichen Antlitz wiederzufinden sind. „Wenn Menschen zwar alles sehen, aber niemand darüber spricht, kann es auch keine Wellen schlagen“, fasst Renate Schmiechen die Botschaft, die die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit ihrer Arbeit vermitteln wollen, in einem Satz zusammen: „Wir wollen den Menschen Augen geben, damit sie beobachten können und achtsam sind. Achtsam gegenüber sich selbst und anderen.“

Ihre persönlichen Gedanken haben die Teilnehmenden übrigens auch zu „Papier“ gebracht, beziehungsweise schriftlich formuliert. Auf ihrer Instagram-Seite „unbegrenzt_begrenzt“ sind sie nachzulesen.

Hier ein kleiner Auszug:

„Tja, was wollen wir euch sagen, ihr lieben Menschen!

Der menschliche Körper ist ein komplexer Organismus und lebt durch ein gut funktionierendes Miteinander der einzelnen Organe.

Wir haben uns mit diesem Projekt mit einem Teil des Menschen, den Sinnesorganen Auge und Mund, beschäftigt.

Wir glauben, dass diese äußerlich als auch innerlich einen großen Beitrag an unserem körperlichen und seelischen Wohlbefinden leisten.

Die Augen: Spiegel der Seele.

Der Mund: Spiegel der Persönlichkeit.

Aus unseren Augen strahlt unser Wesen und Sein, unverfälscht und unverfälschbar. Ein Lächeln macht sympathisch …“